World Review | US-Bedrohung stärkt chinesisch-russische Militärkontakte im Pazifik

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US-Bedrohung stärkt chinesisch-russische Militärkontakte im Pazifik

US-Bedrohung stärkt chinesisch-russische Militärkontakte im Pazifik
Der russische Marinekreuzer „Warjag“ bei einem gemeinsamen Manöver mit China (Foto: dpa)

Die US-Administration unter Präsident Barack Obama hat klargestellt, dass sie der zunehmenden militärischen Stärke Chinas mit einer Verstärkung der eigenen militärischen Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum begegnen wird.

Nun sieht es so aus, als würde diese amerikanische Entscheidung einige Auswirkungen haben. Die Spannungen zwischen China und seinen Nachbarn über umstrittene Gebiete im Südchinesischen Meer dürften sich verstärken. Zudem könnte die Entscheidung andere asiatische Mächte zum Handeln zwingen. Das gilt vor allem für Russland, das seine Beziehungen zu China ausbaut.

In den vergangenen Jahren haben sich die chinesisch-russischen Beziehungen bei rasant steigendem Handelsvolumen und verstärkter militärischer Kooperation permanent verbessert.

Seit 2005 halten beide Seiten gemeinsame Militärmanöver ab, und zwar unter Ägide der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (Shanghai Cooperation Organisation), einer 2001 von Russland und China zusammen mit vier mittelasiatischen Staaten gegründeten gemeinsamen Sicherheitsorganisation.

Ihr erstes gemeinsames Seemanöver veranstalteten Russland und China zwischen dem 22. und 27. April 2012 im Gelben Meer. Da der Termin mit dem 63. Jahrestag der Gründung der Volksbefreiungsarmee Chinas zusammenfiel, lässt sich die Übung durchaus als symbolträchtig interpretieren.

Russland war bei dem Manöver mit dem Flaggschiff seiner Pazifikflotte, dem Lenkwaffenkreuzer „Warjag“ sowie drei U-Bootjägern vertreten. China wiederum entsandte 16 Schiffe und zwei U-Boote.

Bei der Übung sollte vor allem die gemeinsame Verteidigung militärischer Kommunikationswege auf See geprobt werden. Dazu gehörten auch Taktiken der U-Bootbekämpfung, der Luftabwehr zur See sowie elektronische Gegenmaßnahmen, wobei das imaginäre Ziel der Übung allgemein in Gestalt der US-Marine gesehen wurde.

Ein gescheiterter nordkoreanischer Raketentest, mit dem Washington seine Forderung nach einem gemeinsamen mit Südkorea und Japan zu errichtenden Raketenverteidigungssystem begründet hatte, diente Moskau und Peking als starker Stimulus für die Durchführung des Manövers.

Der Raketenschutzschild, der frühzeitig vor gegen die USA abgefeuerte Raketen warnen würde, wird sowohl von Russland als auch von China als Bedrohung ihrer jeweiligen nuklearen Abschreckungspotenziale betrachtet.

Doch während sich Russland und China von einem gemeinsamen Feind bedroht fühlen, sind sie trotzdem nicht notwendigerweise gute Freunde.

In Moskau ist man zunehmend über China-Exporte von militärischer Spitzentechnologie irritiert, die Peking angepasst und zur eigenen Nutzung umfunktioniert hat.

Ein Beispiel von mehreren, bei denen Russland von direktem Technologieklau spricht, ist der jüngst eingeführte, in China gebaute Kampfjet J-15.

Aber auch China ist nicht froh, denn Russland hat durch die Lieferung von Atom-U-Booten, modernen Panzern und eines Flugzeugträgers zur Aufrüstung Indiens beigetragen. Das hat Indien bedeutende Stärke im Gleichgewicht der Abschreckung gegen eine mögliche chinesische Expansion verliehen.

Zudem verunsicherte Moskau Peking durch den Verkauf von U-Booten und Kampfflugzeugen an Vietnam, das sich mit China über Inseln im Südchinesischen Meer streitet.

Angesichts eines derartigen Misstrauens erscheint es eher unwahrscheinlich, dass sich eine funktionierende chinesisch-russische Allianz von der Art etablieren wird, die ein Gegengewicht zu den wachsenden amerikanischen Ambitionen im asiatisch-pazifischen Raum bilden könnte.

Professor Stefan Hedlund

Stefan Hedlund ist Professor und Forschungsdirektor am Zentrum für Russische und Eurasische Studien an der Universität Uppsala, Schweden. Er absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftswis ...

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